Aberglaube in Spanien – zwischen Humor, Hexerei und Alltag
Dienstag der 13., rote Unterwäsche und verbotene Geschenke – entdecke den faszinierenden Aberglauben Spaniens mit seinen kuriosen Bräuchen.
Wenn der Dienstag Unglück bringt …
Wer hat Angst vor Freitag, dem 13ten? Für Spanier ist das kein Problem. Aber Dienstag, der 13. – ¡Ay, qué mala suerte! – das ist hier der wahre Unglückstag, wenn man abergläubisch ist!
Im Gegensatz zu Deutschland gilt in Spanien nämlich der Dienstag (martes) als Tag des Pechs. Er steht unter dem Einfluss des Kriegsgottes Mars (Ares) und der bringt gewöhnlich Streit, Chaos und Unglück. An einem Dienstag heiraten, umziehen oder eine große Reise beginnen? Das lässt der abergläubische Spanier lieber bleiben.
La superstición – der spanische Aberglaube
Aberglaube, oder auf Spanisch la superstición, ist in Spanien tatsächlich tief verwurzelt. Viele Bräuche stammen aus alten Zeiten, manche haben sogar religiöse oder heidnische Ursprünge – doch sie werden bis heute (mit einem Augenzwinkern) beachtet.
Wer Lust auf ein wenig Allgemeinwissen hat, ich zeige euch hier die bekanntesten spanischen Aberglauben auf – charmant, kurios und manchmal erstaunlich logisch:
🍇 Silvester: 12 Trauben für das Glück
Viele haben sich im Dezember vielleicht schon gewundert, wenn man bei den Einkaufen diese kleinen Traubendosen auf dem Kassenband bei Mercadona entdeckt.
Um Mitternacht am 31. Dezember essen viele Spanier zwölf Trauben – eine für jeden Glockenschlag. Wer es schafft, alle rechtzeitig zu verschlucken, hat ein glückliches Jahr vor sich. Und wer auf Nummer sicher gehen will, trägt dazu auch noch extra rote Unterwäsche – das bringt zusätzlich Liebe und Leidenschaft. ❤️
🎩 Kein Hut aufs Bett!
Ein Mann, der seinen Hut aufs Bett legt, riskiert Unglück. Der Ursprung liegt im Glauben, dass sich böse Geister in den Haaren verstecken und durch den Hut auf das Bett – und damit in die Träume – gelangen könnten.
👜 Handtaschen gehören nicht auf den Boden
Spanierinnen stellen ihre Tasche niemals auf den Fußboden. Warum? Weil sonst das Geld „davonläuft“. Deshalb steht in vielen Restaurants und Häusern immer ein extra Stuhl für die Handtasche bereit – achte mal darauf, sicher ist sicher :-)
🚶 Mit dem falschen Fuß aufgestanden?
Betritt man einen Raum mit dem linken Fuß zuerst, droht Unglück. Wer’s versehentlich doch tut, kann den Fluch ganz einfach brechen: dreimal bekreuzigen – und alles ist wieder gut.
🌵 Kakteen als Schutz vor Bösem
Wenn du in spanischen Wohnungen Kakteen auf Fensterbänken oder in Ecken siehst, hat das einen Grund: Die stacheligen Pflanzen sollen negative Energien abwehren und das Haus vor bösen Geistern schützen.
🧹 Vorsicht beim Fegen!
Ein uralter Aberglaube besagt: Wenn du mit dem Besen über die Füße einer Frau fegst, wird sie niemals heiraten. Der Glaube geht vermutlich auf Zeiten zurück, in denen Hexen auf Besen ritten – und mit denen wollte man sich lieber nicht anlegen.
🔪 Keine Messer oder Scheren verschenken
So praktisch es klingt – niemals Messer oder Scheren verschenken! In Spanien heißt es, solche Geschenke „schneiden“ eine Freundschaft oder Liebe entzwei. Wer trotzdem ein Messer überreicht, sollte symbolisch eine Münze dafür verlangen – dann gilt es nicht als Geschenk, und das Unglück ist gebannt.
💛 Gelb – die Farbe des Pechs
Auch wenn die Sonne Spaniens in Gelb strahlt: Gelb gilt als Unglücksfarbe. Sie steht für Schwefel – und damit für den Teufel. Besonders bei Prüfungen, Bewerbungsgesprächen oder öffentlichen Auftritten sollte man kein Gelb tragen.
🐈 Katzen mit sieben Leben
Während deutsche Katzen neun Leben haben, kommen ihre spanischen Verwandten nur auf sieben. Vielleicht, weil sie bei all dem Aberglauben vorsichtiger sein müssen? Wir wissen es nicht.
💩 Viel Glück – oder besser: Viel Scheiße!
Wenn man in Spanien jemandem Glück wünschen will, sagt man nicht „Hals- und Beinbruch“, sondern: 👉 „¡Mucha mierda!“ – Viel Scheiße! Dieser Spruch stammt aus der Theaterwelt: Je mehr Pferdekutschen (und damit Pferdemist) vor dem Theater standen, desto mehr Publikum war da – also Erfolg!
Fazit: Zwischen Glaube und guter Laune
Ob man daran glaubt oder nicht – der spanische Aberglaube ist ein spannender Teil der Alltagskultur. Er zeigt, wie eng Tradition, Religion und Humor in Spanien miteinander verbunden sind.
Wenn du das nächste Mal an der Costa Blanca bist, achte auf die kleinen Zeichen: den Kaktus im Fenster oder die Tasche auf dem Stuhl. Denn wer weiß – vielleicht ist doch etwas dran an der mala suerte …
Liebe Grüße
Jürgen

